Carolin Emcke
Carolin Emcke: Sinsheimer-Preisträgerin 2023 © Andreas Labes

Die Jury der Stadt Freinsheim hat der Autorin und Publizistin Carolin Emcke den Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik zugesprochen. Stadtbürgermeister Matthias Weber verleiht ihn am 19. März 2023 im Bürgersaal Von-Busch-Hof. Am Vorabend zur Preisverleihung wird sich die designierte Preisträgerin ihrem Freinsheimer Publikum vorstellen. 

Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass sie Carolin Emcke als eine der engagiertesten Stimmen in den kritischen Diskursen unserer Zeit ehren möchte. Mit unbeirrbarer Beharrlichkeit stemme sie sich gegen jegliche Art der Diskriminierung, der sie ein klares Bekenntnis zu Demokratie und den darin verankerten Grundrechten entgegensetze.

An ihrer Arbeit imponiere vor allem die Konsequenz und Präzision, mit der sie unbequeme Fragen zu aktuellen Geschehnissen stelle, um die blinden Flecken unserer liberalen Gesellschaft auszuleuchten.
In ihrem Format „Streitraum“ gelinge es ihr, eine Atmosphäre zu kreieren, in der gegenseitiges Zuhören und respektvolles Miteinander, bisweilen gar ein Richtungswechsel festgefahrener Denkmuster möglich wird.

Der Preis soll an Hermann Sinsheimers Leben, Werk und Schicksal unter dem Terrorregime der Nazis und im Exil erinnern. Er zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich um die Literatur verdient gemacht haben und sich in ihren Werken für Toleranz, Menschlichkeit und grundlegende humane Werte stark machen.

Hermann Sinsheimer, ein Pfälzer jüdischer Herkunft, war hier geboren, studierte Jura in München, Berlin und Würzburg und wandte sich schon während des Studiums den Schönen Künsten zu. Danach arbeitete er in München und in Berlin als Theaterintendant und Kritiker, als Journalist und Schriftsteller und als Chefredakteur der Zeitschrift „Simplicissimus“.

Lange blieb Hermann Sinsheimer in Deutschland und litt unter den Nationalsozialisten, die ihn und seine Familie massiv bedrohten und ihm Berufsverbot erteilten. Erst 1938 sah er keine andere Möglichkeit mehr, als schweren Herzens seine Heimat und Sprachwelt zu verlassen, um in England Asyl zu suchen.

Mit dem Literaturpreis hält die Stadt Freinsheim Hermann Sinsheimer in ihrer Mitte und würdigt sein Schicksal. Der Preis wird alle zwei Jahre an herausragende Persönlichkeiten verliehen, die mit ihren Werken ein klares Bekenntnis gegen Faschismus und für die Einhaltung der Menschenwürde abgeben.

Gemäß den Gepflogenheiten der Hermann-Sinsheimer-Preisverleihung würde Herta Müller als vorherige Preisträgerin von 2019 die Laudatio halten. Bedauerlicherweise hat Herta Müller für die Preisverleihung 2021 abgesagt. Stattdessen würdigte nun per Video-Schaltung der israelisch-deutsche Soziologe und Philosoph Moshe Zuckermannn die Leistungen des herausragenden Liedermachers und Lyrikers.

Näheres zum Sinsheimer-Preis und den bisherigen Preisträgern.

Gabriele und Erik Giersberg haben im Zusammenarbeit mit Deborah Vietor-Engländer unter dem vielsagenden Titel „Was ich lebte, was ich sah“ eine Auswahl von Briefen und Theaterkritiken Sinsheimers herausgegeben (Verlag Quintus. 432 S., 25 Euro, ISBN: 978-3-947215-56-0).