Liedermacher Konstantin Wecker: Sinsheimer-Preisträger 2021
Liedermacher Konstantin Wecker: Sinsheimer-Preisträger 2021

Die Jury des Hermann-Sinsheimer-Preises der Stadt Freinsheim hat dem Autor und Liedermacher Konstantin Wecker den Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik 2021 ausgezeichnet. Stadtbürgermeister Matthias Weber hat ihm den Preis im April 2021 bei einem Besuch in München überreicht.

Der Jury imponiert an Konstantin Weckers Wirken und Schaffen, wie er sich „gefühlt schon immer“ von seinen politischen Einstellungen und Sehnsüchten nach einer menschenwürdigen Welt leiten ließ und sich ihnen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verschrieb: als Schriftsteller und Komponist, als berührender Poet und als begnadeter Musiker. Aufrecht und wahrhaftig verlangt er in seinem vielseitigen Schaffen, sich der Gier, dem Machtgehabe und der Gewalt, und kommen sie auf noch so leisen Sohlen daher, lautstark zu widersetzen.

In seinem unerschütterlichen Einsatz für Frieden und Demokratie sieht die Jury eine Parallele zu Hermann Sinsheimers Lebensleistung. Wecker unterzieht aktuelles politisches Handeln seinem kritischen Blick, fordert die Einhaltung der Grundrechte und verurteilt in seinem Kampf um eine gerechtere Welt Ausgrenzung und Verfolgung Andersdenkender und Minderheiten aufs Schärfste.

Freinsheim, am Rande der deutschen Weinstraße gelegen, war eine der ersten deutschen Städte, die mit einem Literaturpreis dem Schicksal der vertriebenen jüdischen Mitbürger einen Raum des Gedenkens schufen.

Die Preisverleihung in bewegten Bildern

Weil wegen der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt die Preisverleihung in Freinsheim im Von-Busch-Hof stattfinden konnte, wurde ein Film von der Übergabe an den bekannten Liedermacher und dem Rahmenprogramm erstellt.

Hermann Sinsheimer, ein Pfälzer jüdischer Herkunft, war hier geboren, studierte Jura in München, Berlin und Würzburg und wandte sich schon während des Studiums den Schönen Künsten zu. Danach arbeitete er in München und in Berlin als Theaterintendant und Kritiker, als Journalist und Schriftsteller und als Chefredakteur der Zeitschrift „Simplicissimus“.

Lange blieb Hermann Sinsheimer in Deutschland und litt unter den Nationalsozialisten, die ihn und seine Familie massiv bedrohten und ihm Berufsverbot erteilten. Erst 1938 sah er keine andere Möglichkeit mehr, als schweren Herzens seine Heimat und Sprachwelt zu verlassen, um in England Asyl zu suchen.

Mit dem Literaturpreis hält die Stadt Freinsheim Hermann Sinsheimer in ihrer Mitte und würdigt sein Schicksal. Der Preis wird alle zwei Jahre an herausragende Persönlichkeiten verliehen, die mit ihren Werken ein klares Bekenntnis gegen Faschismus und für die Einhaltung der Menschenwürde abgeben.

Gemäß den Gepflogenheiten der Hermann-Sinsheimer-Preisverleihung würde Herta Müller als vorherige Preisträgerin von 2019 die Laudatio halten. Bedauerlicherweise hat Herta Müller für die Preisverleihung 2021 abgesagt. Stattdessen würdigte nun per Video-Schaltung der israelisch-deutsche Soziologe und Philosoph Moshe Zuckermannn die Leistungen des herausragenden Liedermachers und Lyrikers.

Näheres zum Sinsheimer-Preis und den bisherigen Preisträgern.

Gabriele und Erik Giersberg haben im Zusammenarbeit mit Deborah Vietor-Engländer unter dem vielsagenden Titel „Was ich lebte, was ich sah“ eine Auswahl von Briefen und Theaterkritiken Sinsheimers herausgegeben (Verlag Quintus. 432 S., 25 Euro, ISBN: 978-3-947215-56-0).